§ 62b Ausreisegewahrsam
Dieser Text wurde in einfache Sprache (B1-Niveau) umgeschrieben. Er ersetzt nicht die amtliche Fassung des Gesetzes.
Der Ausreisegewahrsam ist eine kurze Inhaftierung vor der Abschiebung. Er kann angeordnet werden, wenn du ausreisepflichtig bist.
Voraussetzungen:
- deine Ausreisefrist ist abgelaufen.
- Die Abschiebung kann innerhalb der Frist durchgeführt werden.
- du hast ein Verhalten gezeigt, das die Abschiebung erschweren könnte.
Der Ausreisegewahrsam darf bis zu 28 Tage dauern. Er wird von einem Richter angeordnet.
Ein erschwerendes Verhalten wird vermutet, wenn du:
- deine Mitwirkungspflichten verletzt haben.
- Über deine Identität getäuscht haben.
- Wegen einer vorsätzlichen Straftat verurteilt wurden. Geldbußen von bis zu 50 Tagessätzen bleiben unberücksichtigt.
- Die Ausreisefrist um mehr als 30 Tage überschritten haben.
Der Ausreisegewahrsam wird im Transitbereich eines Flughafens oder in einer geeigneten Unterkunft vollzogen.
In dringenden Fällen kann die Behörde du auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festhalten. Du musst dann unverzüglich einem Richter vorgeführt werden.
(1) Unabhängig von den Voraussetzungen der Sicherungshaft nach § 62 Absatz 3, insbesondere vom Vorliegen der Fluchtgefahr, kann ein Ausländer zur Sicherung der Durchführbarkeit der Abschiebung auf richterliche Anordnung bis zu 28 Tage in Gewahrsam genommen werden, wenn
- 1.die Ausreisefrist abgelaufen ist, es sei denn, der Ausländer ist unverschuldet an der Ausreise gehindert oder die Überschreitung der Ausreisefrist ist nicht erheblich,
- 2.feststeht, dass die Abschiebung innerhalb dieser Frist durchgeführt werden kann und
- 3.der Ausländer ein Verhalten gezeigt hat, das erwarten lässt, dass er die Abschiebung erschweren oder vereiteln wird. Das wird vermutet, wenn er
- a)seine gesetzlichen Mitwirkungspflichten verletzt hat,
- b)über seine Identität oder Staatsangehörigkeit getäuscht hat,
- c)wegen einer im Bundesgebiet begangenen vorsätzlichen Straftat verurteilt wurde, wobei Geldstrafen von insgesamt bis zu 50 Tagessätzen außer Betracht bleiben oder
- d)die Frist zur Ausreise um mehr als 30 Tage überschritten hat. Von der Anordnung des Ausreisegewahrsams ist abzusehen, wenn der Ausländer glaubhaft macht oder wenn offensichtlich ist, dass er sich der Abschiebung nicht entziehen will.
(2) Der Ausreisegewahrsam wird im Transitbereich eines Flughafens oder in einer Unterkunft, von der aus die Ausreise des Ausländers möglich ist, vollzogen.
(3) § 62 Absatz 1 und 4a sowie § 62a finden entsprechend Anwendung.
(4) Die für den Antrag nach Absatz 1 zuständige Behörde kann einen Ausländer ohne vorherige richterliche Anordnung festhalten und vorläufig in Gewahrsam nehmen, wenn
- 1.der dringende Verdacht für das Vorliegen der Voraussetzungen nach Absatz 1 Satz 1 besteht,
- 2.die richterliche Entscheidung über die Anordnung des Ausreisegewahrsams nach Absatz 1 nicht vorher eingeholt werden kann und
- 3.der begründete Verdacht vorliegt, dass sich der Ausländer der Anordnung des Ausreisegewahrsams entziehen will. Der Ausländer ist unverzüglich dem Richter zur Entscheidung über die Anordnung des Ausreisegewahrsams vorzuführen.